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24.05.2019 : 11:48
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Vorstand:
Herr Dr. med. M. Meisel
Herr Dr. med. H. Freund
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Herr Dipl.-Med. R. Schnabel

Kontakt
Herr Dr. med. H. Freund
Hohetorstraße 25
06295 Lutherstadt Eisleben
Tel.: 03475-901650
Fax: 03475-901629

Buchneuerscheinung

Freund H. Geriatrisches Assessment und Testverfahren. Grundbegriffe - Anleitungen - Behandlungspfade.3. überarb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer; ersch. 2017


Flyer : download

Autoreninterview mit Dr. med. Henning Freund

Anlässlich des Erscheinens der nunmehr dritten Auflage des Werkes “Geriatrisches Assessment” führten Marion Rehm und Wolfgang Schwibbe mit dem Autor das folgende kurze schriftliche Interview  bei Kohlhammer Blog

Geriatrischer Versorgungsverbund - Rehabilitationssport/ambulantes Training

Von der Diagnostik zur Therapie - vor allem Ernährung und gezieltes Training spielen auch im höheren Alter eine große Rolle.

Nach einer Akuttherapie im Krankenhaus erfolgt im Rahmen des vorhandenen abgestuften geriatrischen Versorgungsnetzes die Weiterbehandlung der Patienten in einer Geriatrischen Tagesklinik, wenn die Betroffenen die Voraussetzungen dafür mitbringen (stat. Behandlungsbedürftigkeit, ausreichende physische und psychische Belastbarkeit, Transportzeit nicht über 45 Minuten, Minimum Rollstuhlfähigkeit).

Im Rahmen der Akuttherapie wird beispielsweise häufig ein Vitamin B 12-Mangel festgestellt (ca. 30 % Geriatrische Abteilung und Tagesklinik, HELIOS Klinik Lutherstadt Eisleben). Es ist auch sehr bedeutsam, bei Vitamin B-12-Spiegeln unter 400 pmol/l den aktiven Metaboliten, das Holotranscobalamin, zu bestimmen. Nur dass Holo-TC kann als aktive Form von allen Zellen über entsprechende Rezeptoren aufgenommen werden.


Diese Mangelsituation wird adäquat diagnostiziert und eine Substitutionstherapie entsprechend vorgenommen (Abbildung 1, Endoskopische Diagnostik bei einem Patienten mit Stumpfgastritis nach BII-Resektion). Der untersuchte Patient zeigte häufig eine Gangunsicherheit und Sturzgefährdung. Ein Vitamin D-Defizit sollte u. a. ebenfalls abgeklärt werden, denn dieses begünstigt ebenfalls Stürze. Der Ausgleich eines Vitamin D-Mangels (Serum 25-Hydroxy-Vitamin D 3 < 20 ng/ml) führt zu einer Verminderung der Sturzrate und zu einer Senkung von proximalen Femurfrakturen. Eine 25-Hydroxy-Vitamin D3-Serum-Konzentration< 10 ng/ml ist mit einem erhöhten Risiko für proximale Femurfrakturen verbunden (relatives Risiko ca. zweifach erhöht). Weiterhin ist auch eine Calciumzufuhr von weniger als 500 mg tgl. mit einer höheren Frakturrate assoziiert. Grundsätzlich sollte man sich regelmäßig im Freien aufhalten (> 30 Minuten pro Tag), um die Bildung des aktiven Vitamin D zu gewährleisten. Bei Calcium- und Vitamin D-defizienten Patienten in Alten- und Pflegeheimen führt eine Supplementierung von 800 Einheiten Vitamin D 3 zu einer Senkung nicht vertebraler Faktoren sowie von proximalen Femurfrakturen. Empfehlenswert ist eine regelmäßige körperliche Aktivität mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordination zu fördern. Über 70-jährige sollten keinen BMI unter 22 aufweisen, da dies lt. europäischen Leitlinien bereits den Beginn einer Energiemangelernährung anzeigt. Auch ein Krafttraining ist ratsam. Ältere Menschen benötigen eine höhere Eiweißzufuhr, um einen Muskelaufbau bei entsprechendem
 Training erzielen zu können (EW > 1,2 g/kg Körpergewicht). Sturzgefährdende Medikamente wie Antiepileptika, Antidepressiva (vor allem trizyklische Antidepressiva), sedierende bzw. orthostaseauslösende Medikamente sind hinsichtlich der Indikationsstellung immer kritisch zu hinterfragen.

Abb. 2: KV-Formular 56 (2 Seiten)

Im Rahmen der adäquaten Weiterbehandlung wird bei fortbestehendem unsicherem Gangbild sowie Sturzgefährdung dann auch ein ambulanter Rehabilitationssport vom Team der Geriatrischen Abteilung empfohlen und angeboten. Dies wird dann in der Regel von uns angeregt und über den zuständigen Hausarzt verordnet. Im Gegensatz zur Tagesklinikgenehmigung, welche sich nicht selten problematisch gestaltet, erhalten wir überwiegend positive Rückmeldungen bei Beantragung des ambulanten Rehabilitationssportes.

Behinderten- und Rehabilitationssport ist die sportliche Betätigung von Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen als Mittel der ganzheitlichen Rehabilitation und Sozialisation.

Inhalte des organisierten Behindertensports bilden behinderungsspezifische Formen von Sport, Spiel und Bewegungserziehung in entsprechenden Gruppen und geeigneten Übungsstätten.

Der Behindertensport ist wegen der verschiedenen Krankheitsbilder differenziert zu betrachten, es ist eine sportpädagogische und ärztliche Betreuung erforderlich. Zu den Zielen gehört, den betroffenen Menschen die Möglichkeit einer lebensbegleitenden Teilnahme am Sport zu ermöglichen, ihre Fähigkeiten und Interessen im Sport zu verwirklichen; durch Prävention eine Behinderung abzuwenden und Sozialprozesse anzubahnen und zu fördern.

Regelmäßige Teilnahme soll die verbliebene Leistungsfähigkeit erhalten und fördern, Folgeschäden vorbeugen und Hilfebedürftigkeit vermeiden, die Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit stärken, die Lebensqualität verbessern sowie dazu beitragen, die Alltagskompetenz aufrecht zu erhalten.

Ziel: Alltagskompetenz, Teilhabe – Verbesserung der Lebensqualität

Der BSSA (Behinderten- und Rehabilitationssport-Sportverband Sachsen-Anhalt) mit seinen Mitgliedsvereinen ist aufgrund seiner Fachkompetenz alleiniger Anbieter von Rehabilitationssport innerhalb des Landessportbundes Sachsen-Anhalt.

Gesetzliche Grundlage dafür sind das SGB IX sowie die Rahmenvereinbarung zur Durchführung des Rehabilitationssportes in der Fassung vom 01.01.2011. Die Verordnung von Rehabilitationssport belastet nicht das Budget der verordnenden Ärzte!

Ärztlich verordneter Rehabilitationssport wird ausschließlich von anerkannten ambulanten Rehabilitationssportgruppen durchgeführt.

Die Zertifizierung der Rehabilitationssportgruppen erfolgt durch den Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt (BSSA) und ist Voraussetzung für die Abrechnung mit den Kostenträgern der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung.

Voraussetzungen für die Anerkennung sind:

  • ein Übungsleiter mit „B-Lizenz Rehabilitationssport“ des DOSB
  • die Betreuung durch einen Arzt,
  • entsprechende organisatorische Rahmenbedingungen (Sportstätte, Geräte, …),
  • eine Unfallversicherung

Die Dauer der Übungsveranstaltung richtet sich nach den Krankheitsbildern und beträgt mindestens 45 Minuten, in Herzsportgruppen mindestens 60 Minuten.

Zu verordnende Rehabilitationssportarten sind Gymnastik, Leichtathletik, Schwimmen und Bewegungsspiele in Gruppen. Geeignete Übungsinhalte anderer Sportarten können mit eingebunden werden (z. B. Entspannungsübungen). In der Regel werden maximal 15 Teilnehmer je Übungsleiter angenommen. Abweichungen bestehen bei Schwerstbehinderten (7 Teilnehmer), bei Herzgruppen (20 TN), Kindern und Jugendlichen (10 TN) sowie schwerstbehinderten Kindern/Jugendlichen (5 TN).

Die Verordnung von Rehabilitationssport erfolgt auf dem Formular „Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport (Muster 56) – siehe Abbildung 2.

Die Dauer der Förderung (Regelförderung) – Bereich Krankenkasse – beträgt 50 Übungseinheiten im Zeitraum von 18 Monaten.

Der Anspruch auf Rehabilitationssport bei schweren Beeinträchtigungen der Beweglichkeit/Mobilität, schweren Lähmungen, Schädel-Hirn-Verletzungen, organischen Hirnschädigungen, Multipler Sklerose, Morbus Parkinson sowie schwerer chronischer Lungenkrankheit, Polyneuropathie, Epilepsie usw. beträgt 120 Übungseinheiten im Zeitraum von 36 Monaten. Herzpatienten erhalten 90 Übungseinheiten in 30 Monaten.

Die Voraussetzung zur Abrechnung des Rehabilitationssportes durch die entsprechende Reha-Abteilung des Sportvereins ist die Bewilligung durch den jeweiligen Kostenträger.

Ablauf im Überblick:

  1. Verordnung des Rehabilitationssports durch den behandelnden Arzt – Formular 56
  2. Genehmigung durch den Kostenträger
  3. Beratungsgespräch durch den Verein
  4. Durchführung des Rehasports im Sportverein
  5. Abrechnung durch den Sportverein mit dem jeweiligen Kostenträger

Rehabilitationssport für geriatrische Patienten

Der Mansfelder Sportverein e. V. Eisleben bietet seit vielen Jahren Rehabilitationssport an. Neben Herzsport und Gruppen mit Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates gibt es eine Gruppe für geriatrische Patienten, die sich in den Räumlichkeiten der Physiotherapie der HELIOS Klinik Lutherstadt Eisleben trifft.

Die Fachübungsleiterin ist die Ergound Bobath-Therapeutin der Geriatrischen Abteilung der Klinik. Der verantwortliche Arzt ist der CA der Geriatrischen Abteilung (mit angeschlossener Tagesklinik) – perspektivisch soll eine Geriatrische Institutsambulanz als weiterer Baustein hinsichtlich eines abgestuften geriatrischen Versorgungsnetzes hinzukommen.

Das Angebot richtet sich hauptsächlich an ältere geriatrische Menschen nach einem Schlaganfall bzw. Zustand nach Schädigungen am zentralen und peripheren Nervensystem (wie diabetische Polyneuropathie) und anderen neurologischen Störungen, die u. a. die Mobilität einschränken und mit einer Sturzgefährdung einhergehen. Gerade alltägliche körperliche Funktionen, wie Gehen, Aufstehen, Hinsetzen, Hantieren sind Schlüsselqualifikationen des Alltages im höheren Lebensalter. Mangelnde Kraft und Unsicherheiten erhöhten das Risiko zu stürzen oder weitere funktionelle Leistungen zu verlieren. Durch angepasstes regelmäßiges sensomotorisches Training können körperliche Funktionen besonders gut verbessert bzw. auch erhalten bleiben, um so Stürze zu vermeiden bzw. die Sturzgefahr zu mindern.

Die körperliche Aktivierung, aber auch die Zuwendung zur sozialen Umwelt hat eine zentrale Bedeutung in der Rehabilitation von Behinderten und älteren Personen. Sie trauen sich wieder etwas zu, fühlen sich kompetenter, integriert und somit auch wohler. Das wirkt sich positiv auf eine erhöhte Leistungsbereitschaft und -fähigkeit sowie die Lebensqualität aus.

 

Quelle: Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 27 (Juli/August 2016)

Autor
Chefarzt Dr. med. Henning Freund
Geriatrische Abteilung und Tagesklinik

HELIOS Klinik Lutherstadt Eisleben
Hohetorstraße 25
D-06295 Lutherstadt Eisleben
www.helios-kliniken.de/eisleben

Geriatrisches Assessment und Testverfahren

Grundbegriffe - Anleitungen - Behandlungspfade

Henning Freund

Dieser praxisbezogene und anwendungsorientierte Leitfaden befähigt alle Mitglieder des multiprofessionellen therapeutischen Teams sowie Mitarbeiter der Sozialwirtschaft zum Einstieg in das demografisch zunehmend bedeutsame Fachgebiet Geriatrie - Altersmedizin. Patientenpfade und Musterpatienten sind in kompakter Form dargestellt. Die Neuauflage ist um einen aktuellen Überblick der Geriatrie in Deutschland erweitert sowie um weitere Schwerpunktthemen: Telemedizin, Neuropsychologie, Bobath-Konzept, Schmerz(-erkennung) insbesondere bei kognitiv eingeschränkten Patienten (auch nach erlittener hüftgelenknaher Fraktur), hausärztliches geriatrisches Basisassessment (Sturzgefahr, Hirnleistung, orientierender Funktions- und Fähigkeitsstatus - neue EBM-Ziffern) sowie Trauer- und Sterbebegleitung.

2., überarb. und erw. Auflage | 220 Seiten | Kart. | Preis € 39,- | ISBN 978-3-17-023088-0 | Verlag Kohlhammer

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