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21.07.2019 : 04:42
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Vorstand:
Herr Dr. med. M. Meisel
Herr Dr. med. H. Freund
Frau Dr. Mitschke
Herr Dipl.-Med. R. Schnabel

Kontakt
Herr Dr. med. H. Freund
Hohetorstraße 25
06295 Lutherstadt Eisleben
Tel.: 03475-901650
Fax: 03475-901629

Buchneuerscheinung

Freund H. Geriatrisches Assessment und Testverfahren. Grundbegriffe - Anleitungen - Behandlungspfade.3. überarb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer; ersch. 2017


Flyer : download

Autoreninterview mit Dr. med. Henning Freund

Anlässlich des Erscheinens der nunmehr dritten Auflage des Werkes “Geriatrisches Assessment” führten Marion Rehm und Wolfgang Schwibbe mit dem Autor das folgende kurze schriftliche Interview  bei Kohlhammer Blog

Geriatrisches Zentrum

Wie könnte ein Geriatrisches Zentrum / Geriatrische Fachabteilung aufgestellt sein, um zukünftig den Anforderungen in einem Krankenhaus der Grundversorgung gerecht werden zu können?

Die Besonderheit des Geriatrischen Zentrums ist die multidisziplinäre und ganzheitliche Betreuung der Patienten mit dem Ziel der Erhaltung einer größtmöglichen Selbstständigkeit und Lebensqualität. Differenzierte Versorgungsstrukturen ermöglichen eine optimale Behandlung. Von der vollstationären über die teilstationäre Versorgung bis hin zur Überleitung in die Häuslichkeit durch die Tagesklinik liegt alles in einer Hand. So können Patienten aus anderen Fachbereichen frühestmöglich zwecks Frührehabilitation und Weiterführung der Diagnostik übernommen (z.B. nach Schlaganfall, nach operierter Schenkelhalsfraktur) oder aber bei alterstypischen internistischen Erkrankungen mit drohender Immobilität und Einbuße an Alltagskompetenz direkt in das Zentrum eingewiesen werden.

Auch akut erkrankte ältere Patienten mit rezidivierender Sturzneigung sowie seelisch erkrankte ältere Menschen profitieren von der Behandlung im multiprofessionellen Team.

Geriatrische Zentren sollten weiterhin mindestens über ein Speziell ausgestattetes Doppelzimmer für die Schlaganfallbehandlung älterer Patienten (Stroke Unit) sowie eine integrierte Palliativeinheit verfügen.

Für die Beratung in ethischen Fragen im klinischen Alltag von Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern wird ein Ethikkomitee etabliert.

Das Zentrum nimmt an einem externen Qualitätssicherungsprogramm z.B. GEMIDAS-Pro (verfügt über die meisten Datensätze bzgl. externem Qualitätsvergleich) teil und ist Mitglied in einem Schlaganfall-Netzwerk.Es wurde durch die Aufnahme in den Bundesverband Geriatrie e. V. zertifiziert.

Geriatrische Zentren halten eine komplexe Strukturqualität (räumlich und personell) vor, welche sicherstellt, dass die bei der Behandlung älterer Patienten auftretenden Anforderungen sowohl in akuter als auch in rehabilitativer Hinsicht erfüllt werden können.

Oberstes Ziel bei der Behandlung von geriatrischen Patienten im fortgeschrittenen Lebensalter ist die Wiedererlangung einer größtmöglichen persönlichen Autonomie und Fähigkeit zur selbstständigen Lebensführung. Der gezielten Förderung der Patienten in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) und instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL) kommt bei der Behandlung eine zentrale Bedeutung zu. Die gezielte sensomotorische Therapie in den Bereichen Körperpflege, Fortbewegung einschließlich Transfer, Urin- und Stuhlkontrolle, Toilettengang sowie der Kommunikation und Orientierung bilden das Zentrum geriatrischer Behandlungs- und Rehabilitationsbemühungen.

Das Geriatriekonzept unseres Bundeslandes (Sachsen/Anhalt) sieht vor, dass ein Geriatrisches Zentrum auch eine Tagesklinik betreiben sollte. Die Geriatrische Fachabteilung (mindestens 30 Betten) ist als Kristallisationskern der Geriatrischen Kompetenz anzusehen (Vorhandensein einer: personellen, räumlichen und apparativen Mindestausstattung, die sicherstellt, dass die bei der Behandlung älterer Patienten auftretenden komplexen Anforderungen sowohl in akutmedizinischer als auch in rehabilitativer Hinsicht erfüllt werden können – komplexe Strukturqualität).

Wir verfügen derzeit in unserem Bundesland über 14 Geriatrische Zentren, wovon 7 eine Geriatrische Tagesklinik betreiben. Eine Geriatrische Rehabilitationsklinik (§ 111) befindet sich in Bad Kösen, welche Patienten bei noch bestehendem Rehabilitationsbedarf/- potential und noch nicht gegebener Tagesklinikfähigkeit (Patienten nicht ausreichend physisch und psychisch belastbar) aus dem vollstationären Bereich übernehmen kann.

Entsprechend der Definition Geriatrie der Fachgesellschaften soll ein Geriatrisches Zentrum/Geriatrische Fachabteilung alle Angebote vorhalten.

Es sollte auch die Bausteine Palliativeinheit, Geriatrische Stroke Unit und Kompetenzen in der physikalischen Medizin vorhalten. Weiterhin erforderlich sind Kompetenzen in der Schmerztherapie. Der leitende Arzt sollte über die Weiterbildungsermächtigung (Geriatrie und Allgemeine Innere Medizin) verfügen.

Mindestens ein Oberarzt sollte auch die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin erworben haben und ein Oberarzt idealerweise am Rettungsdienst teilnehmen.

Ad on sollte eine Vernetzung mit der SAPV gegeben sowie auch eine Selbsthilfegruppe Demenz angegliedert sein. Fakultativ (wünschenswert) ist die Etablierung einer ambulanten REHA-Sportgruppe (KV-Formular 56) – leitender Arzt der REHA-Sportgruppe ein Arzt der Geriatrischen Abteilung z.B. auch Chefarzt, eine Therapeutin des Geriatrischen Zentrums muss den Abschluss diesbezüglich beim Behindertenverband absolviert haben (Prüfung erforderlich, Dauer der Weiterbildung ca. 2 Wochen z.B. in Magdeburg). Die Patieten – z.B. nach teilstationärer Behandlung nehmen im Anschluss am REHA-Sport teil. Die Genehmigung durch die Kostenträger erfolgt erfreulicherweise nahezu immer nach entsprechender Beantragung (KV-Formular 56). Die Genehmigung der teilstationären Behandlung ist oft sehr viel schwieriger zu erhalten. In Sachsen/Anhalt erfolgt diesbezüglich ein Antragsverfahren.

Definition:

Die Geriatrie führt

  • akutmedizinische,
  • frührehabilitationsmedizinische und
  • rehabilitationsmedizinische Behandlungen

durch. Die Geriatrie geht deshalb zumeist über die reine Organmedizin hinaus

und erbringt zusätzliche Leistungen vor allem im Bereich der multidisziplinären, ICF- und ICD-orientierten

  • Diagnostik
  • und funktionellen Therapie

sowie im Bereich der

  • Prävention und
  • der Palliation.

Rehabilitationssport:

Informationen zu den Einzelheiten der Antragsstellung, Trainingsteilnehmern und Trainingsterminen erfolgt über das Geriatrische Zentrum.

Die Mitarbeiter des Geriatrischen Zentrums sollten zwingend in überregionale Fortbildungsveranstaltungen eingebunden sein (z.B. Zercur, Referententätigkeit der Mitarbeiter einschließlich des Chefarztes).

Es sind Vernetzungen mit anderen geriatrischen Einrichtungen z.B. auch Pflegeeinrichtungen anzustreben.

Mindestens mit einer Hausarztpraxis sollte eine besonders enge Kooperation bestehen.

Der teamintegrierte Sozialdienst der Geriatrischen Fachabteilung muss einen besonders engen Kontakt zu dem zuständigen Betreuungsgericht pflegen.

Die geriatrische Einrichtung sollte für die Ausbildung von Ärzten und Gesundheits- und Krankenpflegern zugelassen sein, weiterhin sollte auch eine Zulassung als Praktikumseinrichtung für Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeiter etc. bestehen.

Der Chefarzt sollte über eine Weiterbildungsermächtigung verfügen (für Geriatrie und allgemeine Innere Medizin). Davon sollten auch 24 Monate Weiterbildungszeit für Ärzte möglich sein, die perspektivisch als Hausärzte tätig sein möchten. Man sollte überdenken, ob man nicht mindestens ein Jahr Weiterbildungszeit für Hausärzte (Gebietsbezeichnung Allgemeinmedizin) diesbezüglich verpflichtend einführen sollte. Dies wäre im Zuge der demographischen Entwicklung und des perspektivisch überwiegend geriatrischen Patientenaufkommens (auch ambulant – geriatrischer Wissenstransfer) mit dem Ziel der „Qualitätsbeförderung der ambulanten Behandlung“ überlegenswert (ratsam). Ob die Geriatrischen Institutsambulanzen als Schnittstelle fungieren können, wird sich herausstellen, zunächst muss aber die Finanzierung geklärt werden.

Quelle: Geriatrie-Report 01-2015

Autor
Chefarzt Dr. med. Henning Freund
Geriatrische Abteilung und Tagesklinik

HELIOS Klinik Lutherstadt Eisleben
Hohetorstraße 25
D-06295 Lutherstadt Eisleben
www.helios-kliniken.de/eisleben

Geriatrisches Assessment und Testverfahren

Grundbegriffe - Anleitungen - Behandlungspfade

Henning Freund

Dieser praxisbezogene und anwendungsorientierte Leitfaden befähigt alle Mitglieder des multiprofessionellen therapeutischen Teams sowie Mitarbeiter der Sozialwirtschaft zum Einstieg in das demografisch zunehmend bedeutsame Fachgebiet Geriatrie - Altersmedizin. Patientenpfade und Musterpatienten sind in kompakter Form dargestellt. Die Neuauflage ist um einen aktuellen Überblick der Geriatrie in Deutschland erweitert sowie um weitere Schwerpunktthemen: Telemedizin, Neuropsychologie, Bobath-Konzept, Schmerz(-erkennung) insbesondere bei kognitiv eingeschränkten Patienten (auch nach erlittener hüftgelenknaher Fraktur), hausärztliches geriatrisches Basisassessment (Sturzgefahr, Hirnleistung, orientierender Funktions- und Fähigkeitsstatus - neue EBM-Ziffern) sowie Trauer- und Sterbebegleitung.

2., überarb. und erw. Auflage | 220 Seiten | Kart. | Preis € 39,- | ISBN 978-3-17-023088-0 | Verlag Kohlhammer

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